Wie häufig ist SLC6A1?
Die SLC6A1-bedingte neuronale Entwicklungsstörung, im Englischen SLC6A1-related neurodevelopment disorder (SLC6A1-NDD), gehört zu den seltenen genetischen Erkrankungen. Leider gibt es nur wenige verlässliche Zahlen, wie viele Menschen wirklich betroffen sind. Laut Simons Searchlight gibt es weltweit mindestens 209 Fälle, die tatsächliche Zahl könnte jedoch deutlich höher liegen – viele Fälle bleiben bislang unentdeckt oder werden fehldiagnostiziert, da die Symptome anderen Epilepsieformen ähneln.
Für Deutschland gibt es keine offizielle Erhebung. Basierend auf internationalen Häufigkeitsschätzungen - ca. 2,65 Fälle pro 100 000 Geburten - (Lopez-Rivera et al, 2020) könnten hierzulande ca. 20 betroffene Kinder pro Jahr geboren werden – viele davon wahrscheinlich lange ohne genetische Diagnose.
Es gibt sowohl in Europa (SLC6A1 Europe) als auch in Amerika (SLC6A1 Connect) Allianzen, die sich für die Schaffung eines europäischen bzw. internationalen Patientenregister engagieren. Des Weiteren gibt es verschiedene internationale Studien (z.B. Simons Searchlight oder Citizen Health), die einen Teil der Betroffenen durch freiwillige Eintragung erfassen.
Was ist die Ursache?
Die Erkrankung wird durch eine Mutation im SLC6A1-Gen ausgelöst. Dieses Gen ist zuständig für den GABA-Transporter 1 (GAT-1) – ein Eiweiß, das den wichtigsten hemmenden Botenstoff im Gehirn (GABA) reguliert. Wird dieser Transport gestört, gerät das Gleichgewicht im Nervensystem aus der Balance – was zu epileptischen Anfällen, Entwicklungsverzögerungen und Verhaltensauffälligkeiten führen kann.
In den meisten Fällen handelt es sich um eine de novo-Mutation – die Veränderung entsteht spontan und wurde nicht vererbt.
Wie sieht es in Deutschland aus?
Es gibt bislang keine zentrale Patientenregistrierung für SLC6A1 in Deutschland. Die Diagnosen werden meist in Sozialpädiatrischen Zentren (SPZ) oder Epilepsieambulanzen gestellt. Viele Familien berichten von einem langen Weg bis zur richtigen Diagnose. Mit SLC6A1 Deutschland sollen die betroffenen Familien bestmöglich vernetzt werden, um die Bekanntheit dieser Erkrankung zu steigern und so hoffentlich mehr Diagnosen zu ermöglichen.
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